Partner im Leben und auf der Bühne

Ein Gespräch mit Eriko Kagawa und Daniel Fueter

PV: Herr Fueter, was haben Sie sich zum 70. Geburtstag gewünscht oder etwas offener: womit kann man Ihnen eine grosse Freude machen?

DF: Ich wünsche mir, dass meine Tochter Rea, die zur Zeit schwer krank ist, am zweiten unserer Prima Volta Konzerte mit uns auftreten wird.  

PV: Wir wünschen Rea Kost von Herzen gute Besserung und hoffen natürlich ebenfalls, dass wir sie anfangs 2020 bei uns im LOKAL begrüssen dürfen.

Täuscht der Eindruck oder sind Sie mit 70 Jahren begehrter denn je? Was ist Ihr Schlüssel zum Erfolg?

DF: An meinem Äusseren kann es nicht liegen (lacht).

Es ist schön, wenn dem alten Mann mit Rücksicht begegnet wird. Das Wort Erfolg verbinde ich höchstens mit meiner administrativen Arbeit, wo ich in Konstellationen arbeiten durfte, die  gute Resultate möglich machte. In der pädagogischen und musikalischen Arbeit ist das Wort Erfolg zu eindimensional. Es setzt ein standardisiertes Ziel voraus.  Ich bin als Lehrer stolz darauf, wenn ich zu einer guten Entwicklung beigetragen habe. Wenn es gelingt, beim Spielen oder Schreiben die Musik in seltenen Momenten auf den Punkt zu bringen, ist das mehr als ein Erfolg. Es ist ein Glück, dass sich bei mir im Wesentlichen dem Fleiss verdankt.

PV: Gibt es eine spezielle Situation in der Sie – auch mit 70 Jahren noch Lampenfieber haben?

DF: Jedes Konzert.

PV: In unserer Kammermusik-Reihe treten Sie mit Ihrer Frau Eriko Kagawa auf. Brauchen Sie keine Trennung zwischen Privatleben und Bühne?

DF: Eriko und ich haben Jahrzehnte an derselben Schule gearbeitet, kennen uns beruflich viel länger, als wir zusammen sind. Es ist schön, dass uns auch der Beruf verbindet.

PV: Sie spielen beide Klavier – gibt es zwischen Ihnen eine gewisse Konkurrenz oder Wettbewerbsgedanken?

DF: Meine Frau ist sehr streng mit mir, wenn wir vierhändig spielen. Ich bin manchmal bockig. Aber am Ende befolge ich ihre Anweisungen. Eigentlich spiele ich sehr gerne mit ihr. Sie ist eine richtige Pianistin. Ich bewundere die Vielfalt ihres Spiels, die Natürlichkeit, das untrügliche Gespür für Atmosphärisches, ihren Klang und die Spielfreude.

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Mit derselben Frage eröffnen wir nun auch gleich das Gespräch mit Eriko Kagawa. Frau Kagawa: Sie spielen beide Klavier – gibt es zwischen Ihnen und Ihrem Mann eine gewisse Konkurrenz oder Wettbewerbsgedanken?

EK: Nein, ich habe einen Riesenrespekt vor meinem Mann. Er spielt Klavier mit Wort und ich spiele Farben. Seine Gedanken und Wörter haben mir viele neue Türen geöffnet.

PV: Wann und warum haben Sie sich für das Klavier entschieden?

EK: Ich war achtzehn. “Was willst Du?”, habe ich mich gefragt. Klavierspielen war ein Teil von mir und das Einzige, von dem ich dachte, dass ich es gut konnte. Ich begann schon mit drei Jahren Klavier zu spielen. Zwischen 12 und 18 waren andere Interessen im Vordergrund. Dann aber wurde es klar.

PV: Frau Kagawa, was beinhaltet eine gute Komposition für Sie?

EK: Eine Klangwelt, die es mir ermöglicht, eine eigene Landschaft zu sehen. Rhythmen, die mit Gefühlen verbunden sind.

PV: Wann ist ein Konzert-Auftritt für Sie gelungen bzw. wann gehen Sie voller Freude von der Bühne?

EK: Immer (lacht). Im Ernst: Wenn ich meiner Musik im Konzert selber zuhören und darin eintauchen kann. Es gibt auch ungelungene Auftritte, wenn ich die Musik zu wenig verstehe.

Wie würden Sie Daniel Fueter, Ihren Mann, beschreiben?

EK: Oh! Sein Zentrum ist für ihn nicht er selbst, sondern seine Umgebung. Deshalb ist er für alle und alles offen.